kostrom muss zum Ausbau der Erneuerbaren Energien beitragen

Aktuelle Vorwrfe zu Zertifikaten nur Scheindebatte.
Kategorie:
11.01.2008

Seit einigen Tagen wird in den Medien eine intensive Debatte zum Thema Ökostrom geführt. Im Mittelpunkt steht dabei zum einen die Frage, unter welchen Bedingungen Ökostrom aus ökologischer Perspektive zu empfehlen ist.

Zugleich wurde die Verwendung von Ökostromzertifikaten des RECS-Systems in der Stromwirtschaft kritisiert. Das Öko-Institut ist seit neun Jahren in der Zertifizierung von Ökostrom tätig und überwacht zugleich die Regeln des RECS-Systems in Deutschland. „Entscheidend für die Bewertung von Ökostrom-Angeboten ist, ob sie den Anteil an Strom aus Erneuerbarer Energien und umweltfreundlicher Kraft-Wärme-Kopplung an der Stromerzeugung tatsächlich erhöhen“, sagt Veit Bürger vom Öko-Institut. Christof Timpe, Koordinator des Bereichs Energie & Klimaschutz ergänzt: „Diese Frage ist unabhängig davon, ob Zertifikate für den Nachweis des Ökostroms eingesetzt werden. Die aktuellen Vorwürfe gegenüber der Nutzung von Zertifikaten sind eine Scheindebatte und verstellen den Blick auf die eigentliche Herausforderung: Ökostromangebote so auszugestalten, dass sie den Ausbau von Erneuerbaren Energien wirksam fördern.“

Zu empfehlen seien solche Stromangebote, die den Bau neuer Kraftwerke zur Nutzung Erneuerbarer Energien und der umweltfreundlichen Kraft-Wärme-Kopplung wirksam fördern. Durch die neuen Anlagen werde fossile und atomare Stromerzeugung verdrängt und somit ein Beitrag zu Klimaschutz und Versorgungssicherheit geleistet. Andere Produkte, bei denen Kunden lediglich aus bereits bestehenden Anlagen beliefert werden, haben dagegen keinen zusätzlichen Nutzen für die Umwelt.

Mehrere deutsche Stadtwerke haben dem Öko-Institut zufolge in den letzten Monaten wesentliche Teile ihrer Stromversorgung auf Erneuerbare Energien umgestellt. Diese Umstellungen seien in erster Linie als symbolischer Akt und als ein Bekenntnis für Erneuerbare Energien und gegen Atomkraft und Kohlekraftwerke zu bewerten. Aus Kostengründen basiert die Strombeschaffung jedoch in der Regel auf bereits existierenden Anlagen, teilte das Institut mit. Ein Ausbau der Erneuerbaren Energien sei damit derzeit nicht verbunden. Er würde erst dann stattfinden, wenn die Ökostrom-Nachfrage das Angebot auf europäischer Ebene übersteigt. Die heftige Kritik, die an der Verwendung von Ökostromzertifikaten wie RECS durch Stromanbieter geübt wird, entbehrt aus Sicht des Öko-Instituts dagegen einer sachlichen Grundlage.

Diese Zertifikate stellen zuverlässige Herkunftsnachweise für Strom aus Erneuerbaren Energien dar und trügen wesentlich dazu bei, eine Doppelvermarktung von Ökostrom zu verhindern. Andere Nachweisverfahren seien weniger zuverlässig und europaweit nicht standardisiert. Die Zertifikate können genutzt werden, um Ökostrom-Angebote mit Ausbauwirkung für Erneuerbare Energien zu realisieren, aber auch für Stromangebote ohne diesen Umweltnutzen. „Die von verschiedenen Seiten aufgestellte Behauptung, dass Ökostrom auf Basis von Zertifikaten generell keinen Nutzen für die Umwelt darstelle, ist schlichtweg falsch“, sagt Christof Timpe. „Es kommt darauf an, aus welchen Anlagen der Stromanbieter die Zertifikate erwirbt.“ Auch der Vorwurf, dass Stromversorger durch die Zertifikate ihren Atom- oder Kohlestrom in unzulässiger Weise in Ökostrom umetikettieren würden, trifft nicht zu. Wenn zum Beispiel ein deutsches Stadtwerk Zertifikate aus dem Ausland importiert, so entspreche dies in seiner Wirkung der bisher üblichen Praxis des Austauschs von Strom. Dabei importiert das Stadtwerk Wasserkraftstrom und exportiert gleichzeitig Strom aus Kohle- oder Atomkraftwerken, der dann im Partnerland mit diesen Merkmalen gekennzeichnet werden muss. Dieser Vorgang sei nach den national und international gültigen Regeln für die Stromkennzeichnung zulässig und wäre auch ohne die Nutzung von Zertifikaten möglich.




« zurück

Drucken Seite drucken