Zerstrung des Regenwaldes schreitet weiter voran

Die Zerstrung des brasilianischen Amazonas-Regenwaldes hat in den vergangenen Monaten wieder drastisch zugenommen.
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26.01.2008

Die brasilianische Regierung hat am Mittwoch aktuelle Zahlen veröffentlicht. Demnach hat sich die zerstörte Fläche in der zweiten Jahreshälfte 2007 - im Verhältnis zum gleichen Zeitraum des Jahres 2006 - nahezu verdoppelt.

Allein zwischen August und Dezember 2007 wurden nach Auswertung von DETER-Satellitenbildern 320.000 Hektar Wald zerstört. DETER (detection in real time) ist ein System zum Überwachen des Holzeinschlages, ausgelegt auf die Dokumentation kurzfristiger Veränderungen. Dieses System erfasst erfahrungsgemäß jedoch nur circa 40 Prozent der zerstörten Fläche. Deshalb muss davon ausgegangen werden, dass über 700.000 Hektar Amazonas-Urwald in nur einem halben Jahr vernichtet wurden!

Weitaus genauere Daten der brasilianischen Weltraumbehörde INPE wurden für diesen Zeitraum noch nicht veröffentlicht. In den vergangenen Jahren zeigte sich jedoch, dass mit anderen Satellitensystemen eine mehr als doppelt so große Zerstörung des Waldes ermittelt wurde wie mit den Daten von DETER.

"Die brasilianische Regierung muss unverzüglich gegen den Raubbau im Urwald vorgehen und die Verantwortlichen der Holz- und Sojaindustrie zur Rechenschaft ziehen", sagt Oliver Salge, Waldexperte von Greenpeace. "Ohne ein Ende der dramatischen Urwaldzerstörung verlieren wir alle, denn das regionale und globale Klima hängt auch vom intakten Urwald ab."

Wissenschaftler bezeichnen den Amazonas- Regenwald als globale Klimaanlage. Er gibt jährlich rund sieben Billionen Tonnen Wasser in die Atmosphäre ab und reguliert so nicht nur das Klima in Südamerika, sondern weltweit. Die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes schadet daher gleich doppelt: Zum einen wird die Weltklimaanlage zerstört. Zum anderen setzen die Brände große Mengen des Klimakillers CO2 frei. Laut Regierung ist die Waldrodung für 75 Prozent des Treibhausgasausstoßes in Brasilien verantwortlich.

Der Regenwald am Amazonas ist der größte noch intakte Regenwald dieser Erde. Doch die weltweite Nachfrage der Industriestaaten und Chinas nach Edelhölzern und Soja als Futtermittel bedroht immer größere Waldflächen. In den vergangenen Jahren wurden jährlich über 20.000 Quadratkilometer Urwald abgeholzt und vor allem in Sojaäcker oder Viehweiden umgewandelt. Dies entspricht der Flächengröße El Salvadors.

Die Nachfrage nach billigem Fleisch, vor allem in Europa, heizt gleichzeitig die Nachfrage nach Soja und damit die Urwaldzerstörung in Brasilien weiter an. Soja ist das wichtigste proteinhaltige Futtermittel in der Massentierhaltung, Brasilien der größte Soja-Exporteur der Welt.

Die brasilianische Umweltbehörde kann die riesigen Gebiete mangels finanzieller Ressourcen kaum gegen international agierende Holzkonzerne und Soja-Exporteure schützen. Mit dem Ergebnis, dass illegal eingeschlagen und brandgerodet wird.

Eine weitere Bedrohung des Waldes entsteht durch den weltweit wachsenden Bedarf nach Agrokraftstoffen. Das Zuckerrohr, aus dem Ethanol hergestellt wird, wird zwar nicht immer direkt in Regenwaldgebieten angebaut. Doch sorgt der Zuckerrohr-Anbau dafür, dass die Viehzucht aus dem Süden in den Norden ausweichen muss und damit den Regenwald gefährdet.

Um die Zerstörung des Regenwaldes in Brasilien aufzuhalten, müssen dringend zusammenhängende Schutzgebiete geschaffen werden. Es ist die Verantwortung der brasilianischen Regierung, diese zu etablieren.




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