Fraunhofer-Forscher produzieren Solarzellen im Siebdruck

Mit sperrigem Gepck fahren Mitarbeiter des Fraunhofer-Instituts fr Solare Energiesysteme ISE im Februar nach Tokio zur Nanotech 2008, der weltweit grten Nanotechnologie-Fachmesse. Das Farbstoff-Solarmodul, das sie bei der BMBF-Marketing-Kampagne "Nanotech Germany" prsentieren, hat die Abmessungen einer Tre - zwei Meter hoch und 60 Zentimeter breit. Die Kernkomponente der neuen Photovoltaik-Module ist ein organischer Farbstoff, der in Kombination mit Nanopartikeln Sonnenlicht in Strom umwandelt. Die Nanopartikel ermglichen aufgrund ihrer geringen Gre, dass die Solarmodule semitransparent sind. Sie eignen sich daher fr die Integration in Fassaden.
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30.01.2008

Der Prototyp eines Solarmoduls, den die Forscher am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE hergestellt haben, schimmert bernsteinfarben. Doch es lassen sich auch andere Farben herstellen und sogar Motive einarbeiten, sodass die Module wie Dekorscheiben aussehen. Damit ergeben sich ganz neue Anwendungsmöglichkeiten: Statt den Stromerzeuger aufs Dach zu montieren, kann man ihn in Glasfassaden integrieren. Die neue Technologie schützt auf diese Weise Gebäude vor störender direkter Sonneneinstrahlung und produziert zugleich Strom.


Hauchdünne stromerzeugende Schicht aus Nanopartikeln wird im Siebdruck aufgetragen

"Wir sehen die Farbstoff-Solarzelle nicht als Konkurrenz zur herkömmlichen Siliziumzelle", sagt Dr. Andreas Hinsch, Physiker am ISE in Freiburg. Die ausgestellten Modulprototypen erreichen einen Wirkungsgrad von vier Prozent. Das ist für Anwendungen auf dem Dach im Vergleich zu kristallinen Siliziumsolarzellen noch zu gering. Doch hat die Technologie einen entscheidenden Vorteil für den Einsatz in Fassaden. Die hauchdünne stromerzeugende Schicht, die zwischen zwei Glasscheiben steckt, wird aus Nanopartikeln im Siebdruck aufgetragen, einem technisch ausgereiften Verfahren. Das macht es möglich, beliebige Motive einzuarbeiten. Eine Glasfassade aus diesem Material lässt sich dekorativ und werbewirksam gestalten, zum Beispiel mit einem bunten Firmenlogo, das obendrein Strom liefert. Noch ist das Farbstoffmodul nur ein Prototyp. Diesen haben die Fraunhofer-Forscher zusammen mit namhaften Industriepartnern im Color-Sol-Forschungsprojekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung BMBF entwickelt.


Dauertests belegen lange Funktion

Die besondere Herausforderung bei der neuen Technologie war die Präzision: Der feine Spalt zwischen den beiden Glasscheiben muss hermetisch verschlossen sein, damit keine Luft die reaktiven Substanzen zerstört. Die Fraunhofer-Experten haben sich dabei etwas Besonderes einfallen lassen. Statt einen polymeren Kleber zu verwenden wie die Konkurrenz, arbeiten sie mit Glaslot: Glaspulver wird im Siebdruck aufgetragen und verschmilzt bei Temperaturen von rund 600 Grad mit den Scheiben. Dauertests bei unterschiedlichen Witterungsverhältnissen haben gezeigt, dass die Solarzellen auch nach mehreren tausend Stunden noch voll funktionsfähig sein können. Eine Zertifizierung der Langzeitstabilität der Farbstoff-Solarmodule steht jedoch noch aus.

29.01.2008  
Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft   Solarserver.de   © Heindl Server GmbH
Bildquelle: Fraunhofer ISE




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