Solarfirmen feilschen um Gunst der Anleger

Unternehmer greifen zu neuen Strategien und polieren eigenes Image auf.
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08.06.2008

Die Frankfurter Börse verzeichnet, ausgelöst durch den Boom innerhalb der Solarindustrie, Zuwachs. So haben heute, Mittwoch, gleich zwei Hersteller von Photovoltaik-Systemen ihren baldigen Börsengang angekündigt. Über die zusätzlichen Anlageoptionen in der Branche hinaus ist das Feilschen der Unternehmer um die Gunst neuer Investoren jedoch ohnehin schon unvermeidbar. Das Papier von Phoenix Solar, einem der größten Fachhändler von Photovoltaik-Modulen, hat es Ende März in den Technologie-Index TecDAX geschafft.
Sonnenenergie-Riese Solarworld verfolgt nach Kursabstrichen in den vergangenen Monaten neue Strategien, um Anleger für sich zu gewinnen. Und Branchenverlierer Conergy konzentriert sich angesichts weiterer Nettoverluste (pressetext berichtete: Conergy rutscht tiefer in Verlustzone) wieder auf das Kerngeschäft mit Solaranlagen.

Der geplante Börsengang der deutsch-chinesischen Unternehmensgruppe Sinosol, einem international tätigen Anbieter von Photovoltaik-Systemen und Entwickler von schlüsselfertigen Solarparks, erweitert zwar das Portfolio so mancher Solar-Investoren. Gleichzeitig bietet sich jedoch ein weiterer Werber um Investitionsgelder am Handelsplatz Frankfurt an und erhöht damit den gegenseitigen Konkurrenzdruck auf dem Sektor.

"Um unseren erfreulichen Wachstumskurs fortzusetzen und unsere Markposition weiter auszubauen, streben wir zeitnah einen Börsengang an", so Sinosol-CFO Raphael Krause gegenüber pressetext. Ebenso im Prime Standard der Börse Frankfurt soll der Produzent von Wechselrichtern für Photovoltaikanlagen, SMA Solar Technology, noch vor der Sommerpause notieren. Das Unternehmen beschäftigt derzeit rund 2.000 Mitarbeiter und erzielte 2007 einen Umsatz von 327 Mio. Euro.

Solarworld widmet sich in seiner Strategie künftig vermehrt den Anlegern und versucht, sein Image aufzupolieren. Das Unternehmen deckt beinahe die gesamte Produktpalette des Sektors ab und bietet neben Solarzellen und Modulen auch Silizium und ganze Kraftwerke an. Nun macht sich Solarworld anhand eines ausführlichen Nachhaltigkeitsberichts auch in den Köpfen der Investoren breit. Darin werden mitunter eine CO2-Bilanz und das soziale Engagement des Unternehmens thematisiert. Selbst der Kaffee für die Mitarbeiter sei des sauberen Images wegen fair gehandelt, berichtet das Handelsblatt.

Börse-Negativ-Beispiel Conergy forciert unterdessen das Kerngeschäft mit Solaranlagen wieder massiv. Nach Kurseinbrüchen an der Börse und starken Verlusten (2007: minus 194 Mio. Euro) auch im ersten Quartal 2008 musste das Unternehmen rund ein Fünftel seiner Mitarbeiter entlassen. Die Geschäftsfelder Windkraft und Biomasse setzten Conergy nach Lieferverzögerungen stark zu, woraufhin Sparten abgestoßen wurden und mehrere Vorstandswechsel folgten. Dennoch sieht die Solarbranche nach wie vor einem enormen Boom entgegen, der offenbar noch Platz für weitere Markt-Player bietet.




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