Clement, die SPD und die Atomlobby

Bei dem Wirbel um Clements umstrittene Äußerungen im Hessen-Wahlkampf darf man nicht übersehen: Clement ist hier als Lobbyist für die Atomindustrie angetreten.
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08.08.2008

Das war ihm wichtiger, als Loyalität gegenüber seiner eigenen Partei zu zeigen. Ob ein Ausschluss das richtige Mittel ist, wage ich zu bezweifeln, wichtiger finde ich es, sich mit den inhaltlichen Positionen Clements auseinanderzusetzen.
  
Clement und die Vertreter der alten Energien wollen und können nicht glauben, dass die regenerativen Ressourcen sechsmal ausreichen - bei heute vorhandener Technik - um unseren Bedarf zu decken.
  
Der Verbund von Windkraft, Biogas und Wasserkraft hat unter Beweis gestellt, dass die Schwankungen bei  Windkraft ausgeglichen werden können. Die ersten Druckluftspeicher sind in Betrieb, die Windkraft mit hoher Effizienz speichern können.
  
An der RWTH Aachen hat Prof. Sauer eine Speichertechnik für Solarstrom entwickelt: Eine nachgeführte Fotovoltaikanlage speichert mit dem Redox-Flow-System so viel Strom für die Zeit, in der keine Sonne scheint, dass ein Einfamilienhaus das ganze Jahr über sich selbst mit Strom versorgen kann. Den Speicherflüssigkeiten wird eine Lebensdauer von  40 Jahren vorhergesagt.
  
Und vergessen wir nicht - zurzeit werden jährlich 15 Mrd. kWh regenerativer Strom neu installiert - mehr als die Leistung eines Atomkraftwerkes.
  
Es wird langsam eng für  die großen Stromkonzerne -  mittel- und langfristig werden sie erheblich an Bedeutung verlieren - die Verfügungsgewalt über die Energieverteilung sinkt mit  jeder Fotovoltaikanlage, mit jedem Windrad und mit jeder Biogasanlage.
   
Insgeheim wissen das Clement und die Vorstände der Energiekonzerne - dürfen das aber nicht zugegen und reden davon, dass  Hessen den Kern seiner Industrie aufs Spiel setzt wenn  es seine Energie nicht mehr aus Kohle und Atom bezieht.
  
Umgekehrt wird ein Schuh draus, Herr Clement. Kluge Unternehmer aus Salzhemmdorf zum Beispiel setzen auf Wärme aus Biogasanlagen - diese steht dauerhaft das ganze Jahr über zur Verfügung, es ist eine regional zur Verfügung stehende  Energie, die sich den Weltmarktschwankungen entzieht und kalkulierbar bleibt.
  
Das sichert Arbeitsplätze bei der Landwirtschaft und beim Gewerbe, weil dieses sich den exorbitanten Preissteigerungen fossiler Energie durch Einsatz regionaler erneuerbarer Ressourcen entziehen kann.
  
Es kommt darauf an, diese Erkenntnis immer weiter zu verbreiten und dem mit der Hand greifbaren großflächigen Umstieg auf erneuerbare Energien zum Durchbruch zu verhelfen.
  
Wie verzweifelt muss die Vorstände der großen Energiekonzerne sein, wenn sich ihr Lobbyist Clement dazu hergibt, die gerade in der SPD so hoch gehängte Parteidisziplin mit Füßen zu  treten. Für mich ist das ein Anzeichen für die Wirksamkeit des Umschwunges hin zu erneuerbaren Energien.
  
Nur wer mit dem Rücken zur Wand steht, greift zur  groben Keule.
Quelle:
Rainer Sagawe 2008
Klimapolitischer Sprecher des BUND Hameln-Pyrmont




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