Photovoltaik-Experte: Mit Atomausbau ist man zukünftig schlecht beraten

Atomenergie-Prognose von Frost & Sullivan unter Beschuss.
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29.08.2008

Die Unternehmensberatung Frost & Sullivan kommt in ihrer jüngsten Studie zum Thema Energieversorgung zum Schluss, dass Klimaschutz und steigender Energiebedarf ein solides Wachstum im Markt für Nuklearenergie sichern. Die Marktforscher gehen von einer erheblichen Ausweitung der weltweit installierten Nuklearkapazität auf bis zu 600 GW im Jahr 2030 aus. Umweltexperten wie etwa von der Interessensvertretung für Photovoltaik, der Photovoltaic Austria, kritisieren die Einschätzung. Heutzutage auf Atomkraft zur Stromerzeugung zu setzen sei wirtschaftlich dreist und unklug.

Weltweit sind derzeit 439 Atomkraftwerke in 31 Ländern mit einer installierten elektrischen Nettokapazität von 372 GW in Betrieb. Insgesamt liefern diese Reaktoren etwa 16 Prozent des weltweit benötigten Stroms, rechnet Maciej Jeziorski, Research Analyst bei Frost & Sullivan vor. "In der erweiterten EU gibt es aktuell 146 aktive Nuklearreaktoren, weitere vier befinden sich im Bau." In den 15 EU-Staaten mit Kernkraftwerken reiche der Produktionsanteil dieser Anlagen an der gesamten Energieerzeugung des jeweiligen Landes von 3,5 Prozent in den Niederlanden bis zu 78,1 Prozent in Frankreich. Jeziorski erachtet es angesichts des wirtschaftlichen Nachholbedarfs von Schwellenländern und Ländern der Dritten Welt sowie des Wachstums der Weltbevölkerung als notwendig und sinnvoll, das vorhandene Potenzial der Kernenergie zu nutzen. Mangels echter Alternativen scheine die Zeit reif für eine Expansion der Kernenergie, deren Kapazität sich in dieser Region bis 2030 mindestens verdoppeln dürfte.

"Es gibt keine bessere Demonstration für die wirtschaftliche Unrentabilität der Atomkraft -abseits der gigantischen Umweltrisiken und dem ungelösten Endlagerproblem - als das Milliardengrab des Hoffnungsträgers der Atomindustrie im finnischen Olkiluoto", meint Hans Kronberger, Präsident des Verbands Photovoltaic Austria, im pressetext-Interview. Mehrkosten von 1,5 Mrd. Euro und eine vorläufige Verzögerung von zwei Jahren sei die Bilanz des wichtigsten Werkes der Atomlobby seit 20 Jahren. "Die geplanten Kraftwerke in China, Indien und Russland wären in Europa aus sicherheitstechnischen Gründen nicht genehmigungsfähig", argumentiert Kronberger.

Kronberger argumentiert auch damit, dass Rohstoffmangel ähnlich wie bei Öl und Gas auch bei der Kernenergie zu einem ähnlichen Dilemma führe werde, wie es sich bei Gaskraftwerken abzeichnet. "Ab dem Jahr 2009 wird zusätzlich mehr Strom aus direkter Sonnennutzung pro Jahr produziert werden, als ein Atomkraftwerk liefern kann. Mit fast unendlichen Ressourcen, völlig risikolos und schadstofffrei." Der Ratschlag von Frost und Sullivan sei unverantwortlich und zudem bei einer Vollkostenrechnung wirtschaftlich leicht widerlegbar, erklärt Hans Kronberger.

Auch die Argumentation, dass Atomkraft eine Lösung im Kampf gegen den Klimawandel sei, ist überaus umstritten. "Die Elektrizitätsversorgung macht global nur etwa ein Drittel der CO2-Emissionen aus", interpretiert der Energiesprecher von Greenpeace, Jurrien Westerhof.

Die tatsächlichen Gründe für den Klimawandel liegen beim Verkehr und bei der Abholzung der Wälder. Nur erneuerbare Energiesysteme seien in der Lage den wachsenden Bedarf an Energie nachhaltig zu decken. "Jeder Dollar, der in die Erhöhung der Energieeffizienz fließt, vermag sieben Mal besser CO2 einzusparen als jeder Dollar, der in die Atomkraft investiert wird."




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