Strom ohne Grenzen

Ganz Europa kann zu 100 Prozent mit alternativem Strom versorgt werden. Kostengünstig, zeitnah, CO2-frei. Allerdings müssen wir den Strom dort erzeugen, wo die Potenziale am größten sind.
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15.09.2008

Europa im Jahr 2050. Die Kernkraftwerke sind seit etlichen Jahren vom Netz, Kohlestrom gehört einer längst vergessenen Vergangenheit an. Und die Bürger des alten Kontinents genießen dennoch die angenehmen Seiten der Zivilisation - Internet und moderne Kommunikationstechnik genauso wie Klimaanlage, Wäschetrockner, Spülmaschine, Kühlschrank und Gefriertruhe. Den Strom dafür liefern zu 100 Prozent alternative Energien - große Sonnenkraftwerke aus Spanien und Nordafrika, Windparks am Roten Meer, vor Marokko und an der Nordseeküste, Wasserkraftwerke in Skandinavien und Biomasse-Anlagen im Herzen Europas. Und das Besondere: Die Strompreise sind nicht ins Unermessliche geklettert, wie das im Jahr 2008 zu erwarten war, als Energie in jeder Form teurer und teurer wurde. Strom ist nach wie vor bezahlbar.

"Das ist absolut keine realitätsferne Zukunftsvision übereifriger Befürworter der Energiewende", sagt Gregor Czisch vom Institut für Elektrische Energietechnik der Universität Kassel, "sondern sowohl wirtschaftlich als auch technisch machbar. Wir müssen es nur wollen." Der Physiker und promovierte Elektrotechniker hat die zukünftige Stromversorgung Europas untersucht und ist zu einem beeindruckenden Ergebnis gekommen: In einem riesigen Gebiet, das vom Nordkap bis zur Sahelzone und vom Ural bis nach Portugal reicht, kann der gesamte Strombedarf mit Hilfe alternativer Kraftwerkstechnik gedeckt werden.

In einem "sehr konservativen Grundszenario" rechnet dies Gregor Czisch vor. "Konservativ" bedeutet dabei, dass einzig heute schon marktreife Technologien - Wind- und Wasserkraft sowie Biomasse und thermische Solarstromkraftwerke - die Stromversorgung gewährleisten sollen. Konservativ bedeutet zudem, dass heutige Marktpreise und keine spekulativen Kostensenkungspotenziale berücksichtigt werden.

Entscheidend: Die jeweiligen Techniken sollen dort ausgebaut werden, wo die besten Potenziale vorhanden sind - dort, wo der Wind am stärksten weht und die Sonne am häufigsten scheint. Und dort, wo Wasserkraft aus großen Speicherseen und Biomasse eingespeist werden kann. Photovoltaik spielt dabei allerdings keine große Rolle. "Sie ist schlicht zu teuer", sagt Gregor Czisch. Bedenkt man, dass die Stromkunden in Deutschland jährlich eine Milliarde Euro für die Förderung von Photovoltaik aufbringen müssen, deren Anteil an der Stromversorgung aber bei gerade einmal 0,3 Prozent liegt, so kann man diese Einschätzung nachvollziehen...

(Weiter lesen können Sie in der September-Ausgabe von natur+kosmsos.)

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