Das Vertrauen in die Atomenergie schwindet

Atomenergie ist sicher, billig und klimafreundlich behaupten CDU, CSU und FDP. Doch in diesen Tagen sind die Atomfreunde seltsam wortkarg geworden. Man könnte meinen, die fast unglaublichen Schlampereien mit Atommüll im Versuchsendlager Asse, habe die Befürworter längerer Laufzeiten von Atomkraftwerken sprachlos gemacht.
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17.09.2008

In Asse lagern 126.000 Fässer mit leicht radioaktivem Müll. Dort sollte ein atomares Endlager getestet werden. Atommüll muss bis zu einer Million Jahre gelagert werden bis er unschädlich ist. Doch jetzt wurde bekannt: Tausende Fässer in Asse sind schon nach kurzer Lagerzeit durchgerostet und beschädigt. Wasser strömt in  die Anlage. Verstrahlte Laugen tropfen. Ab 2014 besteht sogar Einsturzgefahr. Neun Kilogramm Plutonium, das in Asse nie hätte gelagert werden dürfen, wurden gefunden. Bundesminister Gabriel: „Das Bergwerk ist löchrig wie ein Schweizer Käse.“

Atomkraft in Deutschland sicher? Nochmal der für atomare Sicherheit zuständige Minister: „Asse ist die problematischste Atomanlage Europas.“ Wie sicher die angeblich sichersten Atomkraftwerke der Welt tatsächlich sind, wurde bereits vor einem Jahr deutlich. Im Sommer 2007 mussten vorübergehend sechs der 17 deutschen AKWs geschlossen werden – aus Sicherheitsgründen.

Jetzt schieben sich Betreiber und Behörden gegenseitig die Schuld an den katastrophalen Zuständen in Asse zu. Fest steht: von verantwortungsvollem Umgang mit Atommüll sind wir weit entfernt. Aber seit 50 Jahren behaupten die Atomfreunde, die Entsorgung von Atommüll sei problemlos.

Die Bilder von Asse erinnerten Fernsehzuschauer an Bilder von einem ganz normalen Schrotthaufen. Aber sie bringen das lange verdrängte Kernproblem der Kernenergie ans Tageslicht: Die noch immer ungelöste Entsorgungsfrage.

Von wegen billige Kernenergie. Atomkraft und ihre Folgekosten sind teurer als jede andere Energiequelle. Das Vertrauen in die „billige und sichere deutsche Atomkraft“ ist jetzt vollends erschüttert.  Die CDU und CSU sollten sich überlegen, ob sie das Atomthema wirklich zum Wahlkampfschlager machen wollen.  Und die Atomgegner müssen zugeben, dass wir uns intensiver als bisher um die Entsorgung des Atommülls kümmern müssen. Atommüll ist nämlich eine Realität.

Wer jedes Endlager blockiert, ist selbst ein Teil des Problems. Asse hat gezeigt: Alle – egal welcher Partei – müssen aus den unhaltbaren Zuständen dort lernen. Wir müssen das Atomzeitalter  so rasch wie möglich hinter uns lassen. Die Lösung heißt: Energiesparen, Energieeffizienz und Erneuerbare Energien.

Asse ist ein Test unserer Lernfähigkeit und Zukunftsfähigkeit.
Quelle:
Franz Alt 2008




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