Energie - ein Luxusgut?

Sie ist kostbar. Ohne sie geht fast nichts. Energie – ihre gesellschaftliche und wirtschaftliche Be­deutung lässt sich nicht in Geld umrechnen. Sehr wohl kann man aber den Wert beziffern, den wir für sie in Form von Strom, Gas oder Öl bezahlen. Und dieser ist hoch. Von Stephan Kohler
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01.11.2008

Viel wird zurzeit über die Einführung von Sozial­tarifen für einkommensschwache Haushalte gesprochen. Diese Debatte verkennt das Grund­problem. Steigende Energiekosten belasten nicht nur eine kleine gesellschaftliche Gruppe, sondern auch die breite Mittelschicht. Der starke Kostendruck stellt auch für viele Unternehmen, besonders in den energieintensiven Branchen, einen kritischen Faktor dar.

 

Und eines ist klar: Die Preise für fossile Energieträger werden, trotz Schwankungen, nicht mehr merklich sinken, sondern in der Tendenz weiter steigen.

 

Damit der Standort Deutschland weiter konkur­renzfähig bleibt und Energie kein unbezahlbarer Luxus wird, muss jetzt sehr schnell und konse­quent gehandelt werden. Nicht die staatlich ange­ordnete Verbilligung von Energie steht auf der  Tagesordnung, sondern die Umsetzung der vor­handenen wirtschaftlichen Effizienzpotenziale. Die höheren Investitionen in effiziente Maschinen,  Gebäude oder Haushaltsgeräte sind oftmals noch ein großes Hemmnis. Deshalb benötigen wir Finan­zierungs-­, Bonus-­ oder Contractingprogramme.

 

Staatliche Maßnahmen wie das CO2­ Gebäudesa­nierungsprogramm müssen weiter ausgebaut und verstetigt werden. Wir brauchen aber, ge­rade auch für einkommensschwache Haus­halte, Programme, die den Kauf hocheffizienter Haushaltsgeräte befördern. Einwände, dass be­zuschusste Geräte teurer würden, können mit Er­fahrungen aus dem Ausland entkräftet werden. Ähnliche Initiativen, zum Beispiel in Dänemark und den Niederlanden, haben gezeigt, dass die Preise für energieeffiziente Haushaltsgeräte so­gar sanken.

 

Wir setzen aber auch auf innovative Unterneh­men, die die Erschließung von Effizienzmärkten zu ihrer Aufgabe machen. Erste Angebote, in denen Unternehmen das Energiesparen ihrer Kunden finanziell unterstützen, sind am Markt sichtbar. Diese Angebote müssen aber noch mas­siv ausgeweitet werden.

 

 

Unser Fazit ist eindeutig: Es macht keinen Sinn, wenn der Staat die Energiepreise über Sozialta­rife künstlich reduziert. Zielführend sind Energieberatungen, aber auch Bonuszahlungen und Kleinkredite in begrenztem und klar definiertem Umfang, die Anreize schaffen, in Energieeffizienz zu investieren. Diese Programme, an denen auch die Hersteller und der Handel beteiligt werden müssen, sollten so gestaltet sein, dass Mitnahme­effekte vermieden werden und der staatliche Bonus nicht eingepreist wird.

 

Es ist jetzt Aufgabe der Politik, sich auf Maßnahmenzu einigen, die zügig am Markt umgesetzt werden können und die Verbraucher nachhaltig in die Lage versetzen, ihre Einsparpotenziale zu nutzen.





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