„Versorgung mit Öko-Strom ist möglich“

CDU-Experte schreibt grüne Energiestudie für Sachsen: 100 Prozent Ökostrom möglich.
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05.12.2008

Der Streit um die Klimapolitik hat Sachsens schwarz-rote Koalition schon mal an den Hand des Scheiterns gebracht. Knapp zwei Jahre ist es her, da gerieten SPD und CDU herbe aneinander, weil Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) mehr erneuerbare Energien wollte als der damalige Regierungschef Georg Milbradt (CDU). Jetzt steht das Thema erneut auf der Tagesordnung. Grund ist eine Klimastudie, die die Grünen im Freistaat in Auftrag gegeben haben, und das Ergebnis der Experten ist eindeutig: Schon in absehbarer Zeit sei eine komplette Versorgung mit Öko-Strom möglich.

 

Konkret liest sich das so

Werden derzeit 14 Prozent des Stromverbrauchs durch erneuerbare Energieträger gewonnen, so könnten es im Jahr 2020 bereits 82 Prozent sein. Damit lasse sich der jährliche Kohlendioxid-Ausstoß um rund 16 Millionen Tonnen reduzieren, sagte Hans-Jürgen Schlegel in Dresden. Schlegel war früher Referent für Klimaschutz im Landesamt für Umwelt und Geologie und ist nun der federführende Autor der Studie - sowie CDU-Mitglied.

 

82 Prozent Ökostrom 2020

Dabei geht Schlegel davon aus, dass von den 21.000 Gigawattstunden, die derzeit in Sachsen pro Jahr verbraucht würden, je knapp ein Drittel aus Windkraft, Photovoltaik sowie Biomasse/Biogas gewonnen werden könnten. Wegen der drohenden Folgen sei die Umstellung schlicht „ein Muss“, sagte Schlegel. Notwendig sei schnelles Handeln, „das Zeitfenster wird schmaler“. Für Sachsens Grüne ist das Ergebnis eine frohe Botschaft. „Klimapolitik ist keine Nische mehr, sondern hat wirtschaftliche Zukunft“, meinte Fraktionschefin Antje Hermenau. Während die Union auf Bundesebene dies längst erkannt habe, sei das Thema im Freistaat unterbelichtet. Umweltminister Frank Kupfer (CDU) und SPD-Mann Jurk zeigten kaum Engagement, konkrete Ziele fehlten völlig. Die CDU, meinte Hermenau, sei in Sachsen halt „besonders piefig und ideologisch verklemmt“.

 

Kupfer: Prognosen unrealistisch

Kupfer sieht das naturgemäß anders. „Die Prognosen der Studie sind in Sachsen völlig unrealistisch“ sagte der Minister. Zwar müsse der Anteil erneuerbarer Energien erhöht werden. Die präsentierten Werte aber hätten Gesamtinvestitionen von 14,2 Milliarden Euro zur Folge - rund 1,2 Milliarden pro Jahr. Diese enormen Kosten würden an die Verbraucher weitergereicht, was nicht vertretbar sei.

 

Politisch allerdings sind die Ergebnisse der Klimaexperten von einiger Brisanz. Denn im Gegensatz zur CDU beklatschte der Koalitionspartner SPD die grüne Studie. Das Werk mache „Mut, diesen Weg weiter zu gehen“, sagte Umweltpolitiker Johannes Gerlach. Und ein klein wenig klang das wie vor zwei Jahren.





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