Ein Platz für die Sonne

Der Wegbereiter der Solarenergie Adolf Goetzberger ist 80 Jahre alt.
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07.12.2008

Prof. Dr. Adolf Goetzberger, der Gründer des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE, vollendete am 29. November 2008 sein 80. Lebensjahr. Adolf Goetzbergers Vision, sein Mut und seine Fachkompetenz haben entscheidend dazu beigetragen, die Solarenergie in Deutschland und der Welt salonfähig zu machen.

 

Das Fraunhofer ISE ist heute nicht mehr wegzudenken aus der internationalen Solarforschungslandschaft, die Solarindustrie boomt und auf vielen Dächern sieht man Solaranlagen. Man kann sich kaum vorstellen, was es 1976 bedeutete, sich zur Solarenergie zu bekennen. Goetzberger war ein angesehener Halbleiterexperte an der Spitze eines Forschungsinstituts mit 180 Mitarbeitenden als er sich entschloss, noch einmal von vorn anzufangen – am 1.7.1981 bei der Gründung des Fraunhofer ISE mit 18 Mitarbeitenden.

 

Für seine Überzeugung scheute er keinen Konflikt. Als das Institut 1992 wieder einmal finanziell zu verdursten drohte, sorgte er in einer vom Fernsehen übertragenen Pressekon-ferenz für viel Wirbel bei den Ministerien – und sicherte so den Fortbestand des Instituts.

 

Nur durch sein Charisma konnte Goetzberger die skeptische Fraunhofer-Gesellschaft überzeugen, ihren guten Namen für so etwas Exotisches wie Sonnenenergie herzugeben. Seine Arbeiten über den Fluoreszenzkollektor regten die Süddeutsche Zeitung zu einem großen Artikel „Die Lösung aller Energieprobleme?“ an. Ihm gelang es, die wichtigste europäische Photovoltaikkonferenz sowie den Weltdach-verband der Solarenergie ISES nach Freiburg zu holen, und Geld für das Energieautarke Solarhaus zu akquirieren – ein bewohntes Großlabor mit einer bis heute wegweisenden Technik.

 

Bei allen Spitzenleistungen ist Goetzberger als Mensch immer nahbar geblieben. Er macht von sich nicht viel Aufhebens, seine ureigene Bescheidenheit, sein Humor, sein Engagement gewinnen ihm noch heute die Herzen. Sein Vorbild schuf am Institut ein ganz eigenes „Wir“-Gefühl, das alle zu höchstem Einsatz anspornte.

 

Die ersten 25 Jahre seines Berufslebens widmete Adolf Goetzberger der Halbleitertechnologie. Er arbeitete bei den ersten Adressen der US-Forschung: mit dem Nobelpreisträger und Miterfinder des Transistors William Shockley in Palo Alto, Kalifornien und in den Bell Laboratories in Murray Hill, New Jersey.

 

1968 holte ihn dann die Fraunhofer-Gesellschaft nach Deutschland zurück. Bis zur Gründung des Fraunhofer ISE leitete Adolf Goetzberger das Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF in Freiburg. 1971 ernannte ihn die Universität zum Honorarprofessor in der Fakultät für Physik. Während seiner aktiven Tätigkeit hat er zahlreiche Diplomanden und Doktoranden betreut.

 

Als erster Deutscher wurde Adolf Goetzberger 1983 mit dem "J.J. Ebers Award" der amerikanischen IEEE Elektron Devices Society für seine herausragenden technischen Leistungen auf dem Gebiet der elektronischen Bauteile geehrt.

 

Vielfältig sind die solaren Ehrungen Adolf Goetzbergers: 1989 erhielt er die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg, 1992 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse ausgezeichnet. Im August 1993 nahm er den Achievement through Action Award der ISES entgegen. 1995 erhielt Adolf Goetzberger die Ehrendoktorwürde der Universität Uppsala und im selben Jahr den Farrington Daniels Award der ISES. 1997 wurde er mit der Karl Boer Medaille geehrt. Ebenfalls 1997 folgten der Bequerel Prize und der William R. Cherry Award. Im September 2006 verlieh ihm die Solar World AG den Einstein Award 2006. Im Dezember 2006 würdigte ihn EUROSOLAR mit dem European Solar Award.

 

Für Adolf Goetzberger ist Sonnenenergie "Bürgerenergie" – die Antwort auf die offenen Fragen einer nachhaltigen globalen Energieversorgung. Aus dieser Haltung schöpft er seine unermüdliche Kraft. Nach wie vor ist er kreativ tätig, er berät das Fraunhofer ISE, kommt täglich zur Arbeit, oft mit dem Rad und schreibt Veröffentlichungen und Patente.

 

Als Prof. Goetzberger 1993 aus Altersgründen aus der Institutsleitung des Fraunhofer ISE ausschied, war das ISE bereits zum weltweit zweitgrößten Solarforschungsinstitut – nach dem National Renewable Energy Laboratory in den USA – gewachsen. Unter seinen Nachfolgern Prof. Joachim Luther, von 1993 bis 2006, und Prof. Eicke R. Weber, seit 2006, entwickelt sich das Institut kontinuierlich weiter und ist mit heute fast 800 Mitarbeitern auch das zweitgrößte Institut innerhalb der Fraunhofer-Gesellschaft.





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