Kartellamt gegen Energiemonopole

Das Bundeskartellamt erhebt schwere Vorwrfe gegen die vier Energieriesen in Deutschland. Sie sollen ihre Preise untereinander abgesprochen haben.
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06.11.2007

Was die meisten ahnten und was nach allen Gesetzen der Strompreiserhöhungslogik auch schlüssig scheint, ist jetzt offensichtlich: die vier deutschen Stromriesen E.on, RWE, Vattenfall und EnBW sind ein "Kartell der Kassierer" - wie der "Spiegel" schreibt oder "Das Kartell der Strompreiserhöher" ("Welt Kompakt").
 
Dem Magazin aus Hamburg liegt ein 30-seitiges Papier des Bundeskartellamtes vor, das behauptet: "In geheimen Treffen sollen die großen deutschen Stromkonzerne über viele Jahre gemeinsame Strategien abgesprochen und Märkte unter sich aufgeteilt haben. Selbst die Preise könnten manipuliert sein."
 
Diesen Verdacht hat auch die EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes, die Ende Mai 2007 das Büro des E.on- Chefs Wulf Bernotat von Sonderermittlern der EU-Kommission durchsuchen und ganz offensichtlich Beweismaterial für die jetzt bekannten Vorwürfe beschlagnahmen ließ.
 
Durch das auch bei anderen Stromkonzernen beschlagnahmte Material wurde deutlich, dass sich RWE, E.on, Vattenfall und EnBW tatsächlich wie Besatzungsmächte in einem besetzten Land aufführen und Preise wie Monopolisten diktieren können.
 
In geheimen Treffen sollen die Energiekonzerne ihre Strategie abgesprochen, ihre Marktgebiete abgesteckt und sogar die Strompreise manipuliert haben.
 
Wie zu erwarten, haben die deutschen Stromkonzerne zunächst einmal alle bekannt gegebenen Vorwürfe bestritten. Auch Vattenfall hatte in diesem Sommer bei seiner AKW-Pannenserie alles bestritten und vertuscht und ist inzwischen dabei, sich in großen Anzeigen zu entschuldigen. Nachdem sie 200.000 Kunden verloren hatten.
 
Der Staatssekretär im Bundesumweltministerium Michael Müller sagte der "Welt Kompakt", die neuen Informationen würden "alle möglichen Befürchtungen gegen die Stromkonzerne bestätigen".

Der Präsident des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Gerd Billen, forderte eine Verschärfung des Wettbewerbsrechts. „E.on, RWE, Vattenfall und EnBW dürfen nicht länger das Monopol auf Energieerzeugung und Eigentum an den Stromnetzen haben. Die vier großen Stromkonzerne müssen zum Verkauf ihrer Kraftwerke gezwungen werden.“




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