Verkehrsunternehmen kritisieren Klimaschutzprogramm der Bundesregierung

Der Verband deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hat der Bundesregierung vorgeworfen, beim Klimaschutz das enorme Potenzial des ffentlichen Nahverkehrs zu vernachlssigen.
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08.01.2008

„Wir sind maßlos enttäuscht“, sagte VDV-Hauptgeschäftsführer Adolf Müller-Hellmann in einem Interview der Nachrichtenagentur AP. Im ehrgeizigen Klimaschutzprogramm der Regierung seien Busse und Bahnen gar nicht erwähnt.

Er schlug vor, die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs mit einem Bonussystem massiv zu fördern: „Jeder Fahrgast, der mit uns fährt, müsste von der Bundesregierung eine Prämie bekommen, weil er signifikant CO2 einspart. Wir müssen einen Mechanismus erfinden, dass die Leute sagen: "Ich muss wieder ÖPNV fahren, dann krieg ich wieder eine Klimarabattmarke."„ Wer mit Bus und Bahn fahre und das Auto stehen lasse, leiste einen enormen Beitrag zum Klimaschutz.

„Wir können die Mobilität der Menschen mit weniger als einem Drittel der CO2-Emissionen des Individualverkehrs realisieren“, sagte Müller-Hellmann. Im morgendlichen Berufsverkehr sei das Verhältnis sogar noch günstiger. „Wenn ein Pendler in einen fast vollen Bus steigt und das Auto stehen lässt, verursacht er nicht einmal ein Zehntel der Emissionen.“

Dank guter PR-Arbeit der Auto-Lobby werde das aber in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen. „Dagegen sind die Pkw plötzlich grün gewaschen, obwohl sie in Deutschland im Durchschnitt je gefahrenen Kilometer tatsächlich mindestens 220 bis 240 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen.“ Der VDV-Geschäftsführer kündigte an, der Busverkehr werde mit technischen Innovationen seine Klimabilanz nochmals deutlich verbessern. Pro Bus und Jahr könnten 4.000 Liter Diesel eingespart werden, wenn wie bei U-Bahnen schon üblich die beim Bremsen freiwerdende Energie gespeichert und beim Anfahren wiedereingesetzt werde.

Dieses Hybrid-System - eine Kombination aus Dieselmotor und Elektroantrieb - werde 2009 erstmals im größeren Maßstab von Verkehrsunternehmen in Deutschland eingesetzt. Es gebe Hinweise, dass die Politik sich an der Anschubfinanzierung beteiligen wolle, sagte Müller-Hellmann. „Dann gehen die Stückzahlen hoch und die Kosten runter.“ Mit der neuen Technik „haben wir Einsparmöglichkeiten von 15 bis 25 Prozent Kraftstoff und damit von CO2.“

Viel effizienter für den Klimaschutz wäre es aber, mit Attraktivitätssteigerungen mehr Menschen für den ÖPNV zu gewinnen. Da sei die Bundesregierung gefordert, Schwerpunkte bei den Investitionen zu setzen und Mittel vom Straßenbau umzuschichten. Frankreich etwa habe beschlossen, keine weiteren Autobahnen zu bauen.

Trotz allem sei es den Verkehrsunternehmen gelungen, die Fahrgastzahlen in den vergangenen Jahren kontinuierlich um etwa 1,5 Prozent zu steigern. Nach einem Plus von sogar 1,9 Prozent 2006, das Müller-Hellmann unter anderem auf die Fußball-WM zurückführte, lag die Steigerungsrate in diesem Jahr jedoch unter einem Prozent.




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